Tag 19 – kaum hat man drüber gesprochen….

Schrieb ich gestern, der Janker sei weg? Ach, man sollte nicht darüber reden.

Gestern nachmittag waren der Mann und ich in der Stadt und planten, von jetzt an den regionalen Handel verstärkt zu unterstützen. Anfangen wollten wir mit dem Kuchenwerk. Mit jedem Meter Richtung Café wurde mein Magen lauter und ich freute mich wie irre auf eine Panna Cotta mit Erdbeersauce oder ein Stück Kaffeetorte. Ich hatte ja Sport gemacht und Attila schreibt, nach Sport soll man sich belohnen. Steht da irgendwo, Seitenzahl hab ich grad nicht im Kopf.

Kennt ihr das, wenn man etwas essen will, den Geschmack schon in Gedanken zelebriert und dann steckt man es in den Mund und es schmeckt total anders? Klassiker: salziges statt süßem Popcorn. Ganz schlimm! Sowas kann mir richtig die Laune vergellen, selbst wenn ich salziges Popcorn generell mag. Aber halt nicht, wenn mein Gaumen sich auf Süßes vorbereitet.

Gestern kam es noch schlimmer.

Es gab im Kuchenwerk weder Erdbeer-Panna-Cotta noch Kaffeetorte.

Es gab noch EINE Panna Cotta mit Beeren, die wir nicht wollten (und ’ne halbe reichte eh nicht, fiel also weg), Joghurt-Mandarinen-Torte, die wir nicht mochten, und deren Soja ich vermeide und drei kleine Konfektstücke, die sicher lecker waren, aber viel zu weit weg von der Kaffeetorte, die wir schon den ganzen Weg gedanklich auf der Zunge hatten. Außerdem wieder nur unzureichend durch zwei teilbar.

Fazit: Es lief alles schief. Mehr schlimm geht nicht, wenn einem nach 18 Tagen Challenge der ultimative Janker überrollt.

Vermutlich reichte mein Gesichtsausdruck schon für eine anständige Besorgnis, denn direkt danach fragte man mich im Bioladen: „Was ist los? Du siehst ja total gefrustet aus!“ Weltschmerz. Einfach nur Weltschmerz. Der Mann fühlte ähnlich, ließ es sich aber weniger anmerken, aber ich durchlebte die komplette emotionale Palette der Zuckerentzugsdepression. Einzige Rettung: Zucker zuführen. Frustessen.

Also gab es zum Abendbrot keine Auberginenröllchen (haltet durch, Avocados!), sondern dies hier:

2015_Challenge_Schokomousse

Die weltbeste Schokomousse.

200 g vegane, zuckerfreie Schokolade (mit Stevia, gibt es im Reformhaus) im Wasserbad schmelzen und mit 400 g Seidentofu (ja, Tofu, aber lieber Magenkrämpfe als Weltschmerz) und einem Schuss Agavensirup/Reissirup vermischen. Eine (ellenlange) Stunde in den Kühlschrank und alles weglöf.. genießen.

Um 21 Uhr dann noch einen Orange-Ingwershake und ein Tag fast ohne Nährstoffe, aber mit freier Nase und wiedererlangtem Glück ging zuende!

PS: Es ist noch ein Rest Mousse da und der Mann noch vier Stunden außer Haus, yiiiieha!

Tag 18 – Sporttipp

Ha, und das von mir!! Werde ich mir ausdrucken und einrahmen. Also auch alle Abzüge für Familie und Freunde.

Ich bin ja eher unsportlich. Sagen wir: Gänzlich.
Ich kenne schlichtweg keinen Sport, der mir wirklich Spaß bringt. Das ist keine Faulheit, das ist einfach so, als würde jemand anderes nicht gerne kochen, sondern lieber bestellen, weil er kochen nunmal öde findet und nichts Leckeres zusammengewürzt bekommt. Bei mir ist es halt Sport. Dafür lese ich wahnsinnig gerne, backe mit Herzblut und schreibe, rede, quatsche dum.. philosophiere.

Macht leider alles weder fit noch schlank.

Ich habe Yoga getestet. Mehrmals. Ich habe mit Barbara Becker Pilates gemacht und mit der Volkshochschule Qi Gong. Beim Aufräumen fand ich sogar einen vergilbten Mitgliedsausweis eines Fitnessstudios. Ich besitze Inliner, ein Fahrrad, im Haushalt gibt es ein Trampolin, Skateboard, Waveboard, Kanus, Hanteln, Klimmzugstangen, Tischtennisschläger und weiteren Pipapo. Es liegt nicht am Angebot, es liegt ganz klar an der Nachfrage.

Aber: Irgendwas MUSS ich ja machen. Man wird ja keine 100 ohne Sport. Und da der Mann nicht nur wesentlich sportlicher und jetzt auch noch Veganer ist, sondern auch jünger, muss ich erst recht ran. Sonst siehts trübe aus mit dem „gemeinsam alt werden“.

Und nun habe ich tatsächlich etwas entdeckt, womit ich mich zumindest halbwegs gerne schinde. Die Wunderentdeckung meines Monats heißt „Virtual Trainer“ und ist eine App für  iOS oder Android. Ich nutze die Edition „VT Bodyweight“ per iPad und bin ehrlich begeistert.

Aus einem ausreichend umfangreichen Gratisangebot kann man sich dabei seine „Lieblings“übungen zusammenstellen, und vor jedem Durchlauf eingeben, wie viele Wiederholungen man machen möchte, wie lange eine Einheit dauern soll und wie lange die Pausen jeweils dazwischen. Eine Uhranzeige zählt die Sekunden vor dem Start jeder Übung (und während der Durchführung) runter, bei 3-2-1 sogar mit Sprachausgabe, so dass man ein wenig das Gefühl bekommt, man sei nicht so alleine mit der Qual dem Ganzen. Hat man einen Komplettdurchlauf geschafft, sammelt man kräftig Punkte. Was man genau mit diesen Punkten anfangen kann, weiß ich noch nicht, aber ich hoffe mal, man tauscht sie am Ende gegen Essensgutscheine.

Hier der Link:

http://www.virtualtrainerapps.com
bzw.
https://itunes.apple.com/us/app/virtual-trainer-bodyweight/id649761691?l=sv&ls=1&mt=8

Tag 18 – es wird Normalität

Guten Morgen ihr Lieben!

Nach knapp drei Wochen ist das ganze Gechallenge reichlich unspektakulär geworden. Das heißt: Es ist Alltag. Und das ist gut. Nichts fühlt sich mehr wirklich umständlich an, der Janker auf Zuckerkrams ist weg, das natürliche Hungergefühl dagegen wieder da. Ich habe einen Job, bei dem ich viel sitze und wenig Energie verbrauche, insofern muss ich mir an einem normalen Tag auch nur wenig davon zuführen. Was ich noch vor einem Monat gegessen habe, reichte, um zwei Dachdecker zu versorgen. Jetzt passen Kalorienzufuhr und Kalorienverbrauch wieder zueinander.

Einzig etwas tüftelig ist es, sich immer im Voraus zu überlegen, was man essen wird.  ‚Ne Scheibe Brot ist schnell geschmiert, aber wenn man sich mit ausreichend Nährstoffen versorgen will, bedarf es schon etwas mehr Planung. Zumal bei mir noch ein paar Unverträglichkeiten dazu kommen. Mit Kohl bin ich lieber sparsam, Zwiebeln sind nicht so meines und Tofu muss ich mir vermutlich auch schenken. Hm, ich glaube, ich bastel mir mal eine Liste mit Gerichten bzw. einem optimalen Tagesablauf, der mich sojafrei mit allem versorgt, was mein Körper braucht.

Gibt es so etwas schon im Netz? Bestimmt, oder? Hat jemand einen Tipp?

Zum Mittag wird es nachher dies hier geben, die Auberginenröllchen mit Avocado-Paprika-Füllung und einer Sauce aus getrockneten Tomaten:

2015_Challenge ZuccholoniIch freue mich schon sehr und die drei Avocados hinter mir sich ebenfalls. Die wollen dringend gebraucht werden. Sonst läuft hier wieder das übliche Spiel, aber diesmal bin ich schneller!

2015_Challenge Eat me nowFoto: http://bit.ly/18e04V5

Einen wunderbaren Donnerstag voller Sonnenwärme uns allen!

Tag 17 – Soja, sonicht.

Ach Soja, ich find dich lecker, aber mein Körper will dich nicht. Was soll ich machen. Ihn brauche ich, dich weniger, ich muss mich also für ihn entscheiden.

Adé, leckere Bolognese. #großerseufzer

Für den Kaffee, den ich alle zwei Wochen mal trinke (vor nem Jahr noch drei Tassen pro Tag) habe ich schon eine Alternative gefunden: Haselnuss- oder Mandelmilch. Wobei sich erstere nicht aufschäumen lässt, aber man wird ja genügsam.

Bis morgen, ihr Lieben.

Ich habe heute keine Lust mehr zu kochen. Morgen früh wird’s also hektisch werden. Ich sag dem Mann lieber schon mal jetzt, dass er früher aufstehen muss. 😀

Einen schönen Abend uns allen!

Tag 17 – das zweite Kilo

Und wenn ich noch so sehr versuche, lässig zu bleiben und mich auf andere Dinge zu konzentrieren, sobald die nächste Kilogrenze unterschritten wird, hüpf ich wie ein Geburtstagsmorgenkind.

Vielleicht ist das Loslassen vom krampfhaften (am Gewichtsverlust) Festhalten wirklich die Lösung. Ich hatte, und jetzt haltet euch fest, gestern sogar Brot. Und weil es so schön war, heute direkt wieder. Zwei Scheiben. Extradick geschnitten und extradick mit (zuckerfreier) Marmelade bestrichen. Ich danke dem Hersteller von Herzen, dass es so etwas zu kaufen gibt. Heute: Pflaume und Erdbeer-Vanille. Letzteres möchte ich jetzt esslöffelweise.

2015_Challenge Brot Erdbeer VanilleUnd der Tag geht kulinarisch munter so weiter. Zum Mittag gibt es den Firestarter, den ich eigentlich frühstücken wollte und um ca. 15 Uhr mit dem Feierabend-Mann dann – ENDLICH – die Bolognese.

Wobei….ich könnt ja schon mal nen Löffel…..

Tag 16 die II. – Grüne Krieger

Eine challenge-interne Empfehlungen noch:

Hatte jemand von euch schon einmal das Challenger-Frühstück? Das mit Süßkartoffeln und Tofu? Ich konnte es bislang erfolgreich überblättern, weil ich morgens lieber Süßes mag und mir das außerdem entschieden zu aufwendig war. Wenn ich aus dem Bad komme, will mein Magen Füllung und hat keine Geduld, mich erstmal Kartoffeln schälen, schneiden und im Ofen backen zu lassen. Der Mann wollte das Rezept aber unbedingt austesten und so gab es den Deal: Ich lass mir Zeit im Bad (also noch mehr als sonst) und er schält, schneidet, backt. Und wenn ich rauskomme, muss ich nur noch damit fertigwerden, dass es was Herzhaftes gibt. Das Schlimme daran, herzhaft zu frühstücken ist ja, dass man damit an diesem Tag die einzige wirkliche Chance auf eine süße Mahlzeit  vergibt. Mittags und abends gibt es Zucchini/Kürbis/Aubergine mit Kürbis-/Auberginen-/Zucchinifüllung und damit eine Durstrecke von 24 schrecklichen Stunden bis zum nächsten (und dann garantiert SÜSSEN!) Frühstück.

Aber: War gar nicht so schlimm, ehrlich.

Die Süßkartoffeln heißen ja nicht ohne Grund so, und nach zwei Wochen Challenge schmecken sie einem vermutlich so wie früher Schokocreme. Räuchertofu schmeckt riecht wie Speckwürfel und die Kombination aus allem ist wirklich famos.

2015_Challenge Challenger FrühstückViel weniger famos ist dagegen der Grüne Krieger, den es bei uns heute Mittag gab. Spargel haben wir saisonbedingt (und wegen der fiesen Wirkung, ich spare euch die Details) rausgelassen, aber Brokkoli, Zuckerschoten, Erbsen und Zucchini waren rezeptgemäß dabei. Grandioser Anblick, keine Frage. Farblich monothematisch zu bleiben sollte man sich merken, macht auf ’nem Buffet sicher was her.

2015_Challenge Grüner Krieger

Allerdings fanden wir die dazu gehörige Zitronensauce ziemlich mau und hätten uns etwas Kräftigeres gewünscht. Die Sauce von Attilas Blumenkohl passt sicherlich besser. Und da ich Kohl ja eh erstmal ein paar Tagen weglassen wollte, gibt es die Tage einfach noch einmal Grünen Krieger mit Curry Crunch. Ich werde berichten.

Für morgen köchel ich nun noch schnell die Tofu Bolognese. Ein Selbstgänger hier. Könnten sich alle REINLEGEN. Sogar die Kids (statt Rotwein natürlich mit Traubensaft). Himmel, ich freu mich schon JETZT!

Einen wunderbaren Abend uns allen!

Tag 16 – Gut Ding

Ja, alle kennen den Spruch, aber darum geht es heute nicht, sondern um die wunderbaren Aufstriche, von denen ich euch – seit Tagen, aber hey, gut Ding… – erzählen wollte.

Am Freitag gab es eine Verkostung im Bioladen, die dazu führte, dass der Mann zum vereinbarten Zeitpunkt vor dem verschlossenen Wagen stand, weil ich noch nicht damit fertig war, mich durch die Pasten zu probieren.

2015_Challenge Aufstrich 1Schnucki, Samt, Schmauch, Nett, Bolle? Ich kann mich nicht entscheiden. Schmauch (€ 3,99) nahm ich direkt für meinen Vater mit. Er ist weltgrößter Leberwurstfan und das wird mein ultimativer Versuch, ihn davon abzubringen. Die Zutatenliste liest sich großartig:

Räuchertofu* [aus Tofu* 97% (Wasser, Sojabohnen* {aus Niedersachsen}, Gerinnungsmittel: Nigari/Magnesiumchlorid, Calciumsulfat), Sojasauce* (Wasser, Sojabohnen*, Weizen*, Meersalz), Buchenholzreiberauch], rote Kidneybohnen*, Rapsöl*, rote Zwiebeln*, schwarze Bohnen*, Meersalz, Gewürze*, Rauch *aus kontrolliert biologischem Anbau.

Und vor allem: Alles frisch. Innerhalb von vier Wochen nach der Produktion muss das Glas leergegessen sein. (Anm. d. Red.: Das ist kein Problem, Schnucki, ebenfalls Freitag gekauft, ist jetzt schon Geschichte.)

Dass der Aufstrich Schmauch so verdammt nah an Leberwurst ist, ist gewollt, wie mir Agapi Rethmann, die Mitgründerin von GUTDING, direkt erzählte. Ihr Mann ist nicht nur schon lange fleischlos glücklich, sondern fatalerweise der Koch in der Beziehung. „„Rado, könntest Du nicht eine Leberwurst imitieren?“ säuselte sie. „Und wo ich mich schon oute, mich dürstet es auch nach einem Mett-Brötchen.“

GUTDING_schmauchFoto: gutding.org

Zack, war der erste Aufstrich da und marsch, weiter. Mittlerweile sind es eine ganze Handvoll und wenn ich mich entscheiden MÜSSTE, läge die Cashew-Paprika-Creme vorne. Unfair eigentlich, denn ich stehe so extrem auf Cashews, dass alles andere zwangsläufig auf die hinteren Plätze rutscht. Gäbe es nichts mit Cashews, wäre Bolle (Balsamico-Zwiebel) ganz oben auf dem Treppchen. Allein schon wegen des Namens. Und wegen des Anteils an Rohrohrzuckers, von dem ich erst nach dem Probieren las. Vielleicht bin ich deswegen so gutgelaunt durch’s Wochenende geschwebt.

Gestern war ich auf gutding.org, um zu schauen, wer da wo was macht. Und hier mein Tipp: a) testet die Aufstriche und b) besucht die Homepage. Ich kenne kaum einen Webauftritt, bei dem einem so viel Wärme und Herzlichkeit und Liebe fürs Detail entgegenspringt. Von GUTDING kam ich dann zu Handeln ist Gold, dem übergeordneten Konzept der beiden und kann gar nicht mehr aufhören zu lesen.

„Mein innigster Wunsch ist es, der Natur und ihren Kreisläufen nahe zu sein. Ich will in Gemeinschaft sinnvoll tätig werden und mich in ihr weiterentwickeln. Ich möchte versuchen, nicht mehr auf Kosten anderer zu leben. Meine Sehnsucht möchte ich teilen…“

Oh, so etwas passt sehr zu meinen eigenen Gedanken.

Agapi und Rado sind vor kurzem nach Stormarn gezogen und wohnen nun in Travenbrück. Ihr kauft also nicht nur vegan und Bio, sondern auch noch aus regionaler Herstellung! Ja, ’ne Salami aus’m Discounter ist billiger, aber GUTDING macht die Welt ein bisschen heiler. Und euch gesünder. Und lässt Tiere leben. Mehr Karmapunkte gehen nicht!